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Gedanken über mich
Ich habe immer versucht, eigenständig zu denken. Als Kind, als ich mit elf Jahren lebensgefährlich erkrankt bin,
habe ich mich immer gewundert, dass ich auf der Welt bin. Dass ich zum Beispiel in der Klinik bin und die anderen
nicht. Warum? Ich habe schon früh gestaunt über die Welt. In meiner Nachkriegskindheit gab es besonders viel zum
Staunen und zum Sichwundern. Jeden Tag passierten schlimme Sachen und schöne. Ich war immer auf der Seite der
Menschen, die sich mit dieser Welt beschäftigt haben. Die sich gefragt haben, warum sind wir eigentlich hier?
Warum ist die Welt entstanden? Warum ist nicht alles ein Nichts?
Bücherschreiben verdanke ich Rainer Werner Fassbinder.
LANGSAME TAGE, die Fallstudie einer Depression, hieß zunächst ANGST VOR DER ANGST: Aus diesem Stoff dreht
Fassbinder den gleichnamigen Film. Als er mich dazu überredete, den Stoff in einem Buch zu verdichten,
wählte ich den Titel von Gottfried Benn, LANGSAME TAGE: Später habe ich das bereut.
Wenn ich meinen ursprünglichen Titel, den Fassbinder adaptiert hatte, gewählt hätte, wäre mein Buch
sicher bekannter geworden. Leider wollte ich damals nicht im Fassbinders Kielwasser schwimmen.
Heute bereue ich das.
MEIN GRÖSSTER IMPULS: Neugierde. Ich möchte jeden Tag Neues lernen
SCHWERE REITER Aufbruch zweier Damen aus Alltags und Ehetrott
KINDER DES UNGEHORSAMS Ehe Martin Luthers und Katharina von Boras
DIESSEITS DES MONDES Liebesgeschichte einer jungen Israeli und einer Deutschen
ARMER NANOSH gemeinsam mit Martin Walser, über die Diskriminierung eines Zigeuners
BESCHÜTZ MEIN HERZ VOR LIEBE Text über eine Jüdin in der Nazizeit
DAS ZWEITE LAND junges kurdisches Mädchen in München
AGNES UNTER DEN WÖLFEN als Jugendbuch entworfen, gemeinsam mit einer Abiturklasse geschrieben
EINE ZIERDE IN IHREM HAUSE Leben einer Frau aus einer Industriellenfamilie der Gründerzeit, die dafür büßen muss, dass sie sich scheiden lässt
FRAU PRINZ PFEIFT NICHT MEHR Krimi über das Böse im Menschen
SEI FROH DASS DU LEBST mein erster autobiografischer Roman
IN DEN GÄRTEN DES HERZENS Das Leben der bayerischen Schriftstellerin Lena Christ
DER AUSTERNMANN Portrait eines Mannes, der nicht redet
GESAMTKONZEPT Mein Thema ist immer wieder die Frage, wie kann es dem Menschen gelingen, sein eigenes Leben zu leben, auch wenn die Umstände dagegen sprechen
JUNGE MÄDCHEN SCHREIBEN IHRE ABITURARBEIT ÜBER MICH
MAGISTERARBEITEN
JUNGE RICHTERIN AUS MÜNCHEN sagt, dass sie völlig anders über Menschen urteile, seit sie meine Bücher lese. Ich bekomme viele Briefe dankbarer Menschen, die mich verlegen machen, aber auch freuen
MARTIN WALSER sagt, meine Bücher seien reich, der Kritiker Albert von Schirnding hat mir geschrieben, ich könne den Kopf in der literarischen Gesellschaft hoch tragen. Leider weiß ich nicht so recht, wo sie denn ist, die literarische Gesellschaft
ALTER
Ich habe mir das Alter völlig anders vorgestellt. Ich habe geglaubt, es hinge von meiner körperlichen Verfassung ab,
wie es mir im Alter ergehe. Weit gefehlt! Obwohl ich einen großen Haushalt führe, in dem sich offenbar alle wohlfühlen,
denn es gäbe für die meisten durchaus Alternativen, nur für meinen Mann nicht, natürlich. Ich schreibe an meinen Texten,
recherchiere, setze mich für Schriftsteller ein, auch für junge - trotzdem muss ich mir täglich sagen lassen,
dass ich einer gefährlichen Gruppe angehöre. Diese Angst vor der überalterten Gesellschaft wird in demselben Ton
geschürt wie die Angst vor der Vogelgrippe.
Dabei ist es doch gerade meine Generation, die in unserer Gesellschaft vieles zum Positiven gewandet hat.
Wir haben autoritäres Verhalten Frauen und Kindern gegenüber bekämpft, uns für die Rechte Behinderter eingesetzt,
gegen Atomkraft und Kriege protestiert und und und
DAS WICHTIGSTE SINNESORGAN sind meine Augen. Ich sehe täglich die Welt um mich herum. Spannendes,
oft absurdes Theater. Realsatire. Ich bin süchtig nach Buchstaben, am liebsten würde ich den Tag lesend
verbringen. Zeitungen, Bücher, jeden Tag neu bin ich süchtig danach
Tod meiner Mutter. Da war ich Ende Dreißig.
Eigener klinischer Tod nach einem medizinischen Eingriff
Wenn ich auch nicht immer Glück hatte mit der Medizin, bin ich dennoch grundsätzlich davon begeistert.
Es gibt gescheite Mediziner, die auch offen sind für Alternativmedizin, es gibt viele hilfreiche Medikamente,
sanfte Operationsmethoden. Da haben wir wirklich segensreiche Fortschritte gemacht
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